Sprengel Hanau - Trauernden Eltern und Familien helfen

Tageslosung

8. Sonntag nach Trinitatis
Jene verlassen sich auf Wagen und Rosse; wir aber denken an den Namen des HERRN, unsres Gottes.
So sei nun stark durch die Gnade in Christus Jesus.

 

 

Trauernden Eltern und Familien helfen
Übergabe von Kindersärgen in der Ludwig-Geißler-Schule an das Klinikum Hanau
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Schüler der Klasse für Holztechnik der Berufsfachschule zum Übergang in Ausbildung an der Ludwig-Geißler-Schule (LGS) Hanau haben sich mit einem ernsten Thema beschäftigt: Tod am Anfang des Lebens. Dazu haben die jungen Leute mit ihren Lehrern Stefan Sachs, Thomas Klusak und Frank Stahmer sowie dem Schulpfarrer Wolfgang Bauer sowohl das Kindergrabmal des Hauptfriedhofs Hanau als auch einen Kreißsaal im Klinikum Hanau besucht. In einem Gespräch mit Hebamme Sonja Jens und den Klinikseelsorgerinnen Brigitte Burbach (katholisch) und Simone Heider-Geiß (evangelisch) haben sie erfahren, wie das Klinikum Eltern in ihrer Trauer begleitet, die ein Kind noch während der Schwangerschaft, kurz vor oder kurz nach der Geburt verlieren. Der Grund für dieses außergewöhnliche Unterrichtsthema liegt in den Produkten, die die Schüler über Wochen erarbeitet haben: kleine Särge, in denen viel zu früh geborene und verstorbene Kinder bei einer Gemeinschaftsbeisetzung oder individuell beerdigt werden.

Die gemeinschaftlichen Beisetzungen werden von der katholischen und evangelischen Klinikseelsorge beider Hanauer Kliniken regelmäßig am 1. Mittwoch jedes Quartals um 15 Uhr auf dem Hauptfriedhof Hanau am Kindergrabmal durchgeführt.
Bei der Übergabe der 16 Särge und 180 Holzkreuze in der Holzwerkstatt der LGS nahm die Hebamme Tatjana Nicin, Bereichsleiterin Pflege der Geburtshilfe des Klinikums, die Särge entgegen. „Ich habe schon Geschwister-Kinder erlebt, die eure Särgchen mit Liebe bemalt haben und auf diese Weise einen schönen Abschied von dem verstobenen Geschwisterchen erleben konnten“, erzählt Tatjana Nicin den Schülern. Sie weiß wovon sie spricht. Denn sie gehört einer multiprofessionell und überregional besetzten Arbeitsgruppe an, die die deutschen Leitsätze zur Palliativversorgung und Trauerbegleitung in der Neonatologie und Geburtshilfe erstellt hat. Ihr liegt die professionsübergreifende Zusammenarbeit bei diesem Thema sehr am Herzen.
Während der Übergabe laufen auf einer Leinwand Bilder von den Herstellungsschritten der Särge und Kreuze. Letztere haben die Schüler in zwei verschiedenen Formen erarbeitet, die die Klinikseelsorge verwendet. Die Kreuze mit der rund geschliffenen Form werden Sterbenden in die Hand gegeben. Lehrer Thomas Klusak erläutert, dass die Schüler die ausgefrästen Kreuze bearbeitet haben, bis sie einen besonderen Qualitätstest bestanden. Dazu haben die Schüler mit geschlossenen Augen die Kreuze immer wieder befühlt und so lange verbessert, bis alle Kanten absolut rund und angenehm zu greifen waren.
Ein Schüler berichtet, dass sich die Klasse zu diesem Projekt entschieden habe, weil sie damit Menschen helfen wollen, die mit dem Sterben und dem Tod zurechtkommen müssen. Schulpfarrer Wolfgang Bauer betont: „Damit helft ihr auch den trauernden Eltern und leistet einen wichtigen Beitrag für einen humanitären, menschlichen Umgang mit den Fehl- und Totgeburten.“ Schulleiter Dr. Kurt Herget dankt den Schülern, dass sie sich auf dieses Thema eingelassen haben und lobt die Produkte, die sie nun übergeben können. Er erinnert an die Geschichte dieser Kooperation, die 2001 begann und nach Bedarf ca. alle 2 bis 3 Jahre zum Tragen kommt. Bei der Übergabe waren außerdem anwesend der katholische Klinikseelsorger Peter Schmalstieg sowie der muslimische Besuchsdienst des Muslimischen Arbeitskreises Hanau, vertreten durch Frau Aynur Cinar und Frau Sakine Özergin.

Text: Pfarrerin Simone Heider-Geiß
Foto: Ludwig-Geißler-Schule Hanau

www.klinikseelsorge-hanau.de

mid - eingestellt am 02.07.2018